Vorteile des Outsourcing der digitalen Produktentwicklung

Digitale Produktentwicklung – Dinge mit anderen Augen sehen. Quelle: Pexels.com

Warum das Outsourcing der Produktentwicklung sinnvoll sein kann

Outsourcing bezeichnet die Auslagerung bestimmter Aufgaben eines Unternehmens. Neben Aufgaben lassen sich auch gesamte Geschäftsprozesse auslagern. Eine Kombination aus beidem stellt das Outsourcing der digitalen Produktentwicklung dar.

In Zeiten der Digitalisierung gewinnt es für immer mehr Unternehmen an Bedeutung, auch im digitalen Bereich hervorragend aufgestellt zu sein. Neben dem Kerngeschäft müssen auch digitale Produkte als Ergänzung des Portfolios oder bestehender physischer Produktgruppen entwickelt, releast und vermarktet werden. Dies stellt klassische Unternehmen vor große Herausforderungen, denn im Gegensatz zu vielen Startup-Unternehmen oder Digitalunternehmen ist die Organisationsstruktur bei bestehenden Unternehmen über Jahre gewachsen. Sie lässt sich nicht von heute auf morgen umstellen.

Die moderne Entwicklung digitaler Produkte muss jedoch agil und flexibel sein. Warum das so ist und was genau agile Softwareentwicklung bedeutet, können Sie hier auch nochmal im Detail nachlesen. Hier finden Sie zusätzlich eine Übersicht über agile Methoden und erfahren, was individuelle Softwarelösungen im Rahmen von agiler Produktentwicklung bedeutet.

Anforderungen an eine agile Produktentwicklung

Die agile Softwareentwicklung an sich ist zwar nur ein Ansatz bei der Softwareentwicklung, er kann aber ohne die richtigen Rahmenbedingungen im Unternehmen nicht umgesetzt werden. Insbesondere in Unternehmen mit ausgeprägten Abteilungen, Teams, Hierarchiestrukturen und gefestigten Organisationsstrukturen lässt sich eine agile Organisationsstruktur nicht ohne weiteres einbinden, da die Anforderungen so unterschiedlich sind.

Agilität bedeutet in diesem Zusammenhang insbesondere auch Flexibilität und Geschwindigkeit. Die Anforderungen an die Entwicklung digitaler Produkte unterscheiden sich von klassischen Produkt-Entwicklungszyklen so stark, dass sie durch unpassende Rahmenbedingungen ausgebremst werden kann.

Agile Stukturen im Unternehmen manifestieren sich vor allen Dingen in folgenden Bereichen:

  • Anwendung einer agilen Organisationsstruktur mit agilen Methoden wie Scrum, Kanban oder Design Thinking
  • Offene Unternehmenskultur mit offenen, cross-funktionalen Teams und Fokus auf agiles Denken und Handeln
  • Schnelle und kurze Kommunikationswege für kurze Release-Zyklen
  • Direkte Kommunikation mit Testern, Kunden und ausgiebige Feedback-Auswertung
  • Geringe interpersonale Distanz mit intensiver Kommunikation
  • Forschung, Planung, Entwicklung und Release sowie Vermarktung verlaufen zyklisch.

Agile und flexible Arbeitsmethoden

Agile Arbeitsmethoden und Visualisierungen – Quelle: Pexels.com

Der Kerngedanke hinter agilen Arbeitsmethoden ist es, für Beschleunigung zu sorgen. Die Anforderungen unseres digitalen Zeitalters ändern sich rasant, durch exponentielle Entwicklungen müssen Produkte, Strukturen und Organisationen ständig an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Zusammenhänge müssen daher deutlich schneller abgebildet werden können, als in klassischen Strukturen.

Dies führt dazu, dass Produkte deutlich schneller releast werden können, denn klassische Arbeitsmethoden wie das Wasserfallmodell werden diesen Anforderungen nicht mehr gerecht. Prototypen müssen schnellstmöglich veröffentlicht werden, es muss aktiv und kundenorientiert entwickelt werden und Änderungen müssen rasch realisierbar sein, ohne dass es notwendig ist, die gesamte Struktur zu durchlaufen. Dies bedeutet gleichzeitig auch, dass langjährige Planungszyklen in der digitalen Entwicklung ausgedient haben und längst nicht mehr in einzelnen Schritten gedacht wird. Vielmehr dreht sich alles um Feedbackschleifen, schnelles Begreifen, Auswerten und Optimieren in Verbindung mit umfangreichen Diskussionen und auch vielen Fehlern. Aber gerade die sind es, die gewollt sind, denn statt in richtige und falsche Entscheidungen zu unterteilen, ist es wichtig, aus allen Entscheidungen (guten und Fehlentscheidungen) schnell die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Effektivität geht klar vor Perfektionismus, denn anders kann man auf eine sich immer schneller ändernde Umwelt heute nicht mehr reagieren.

Ein weiterer sehr wesentlicher Aspekt sind Visualisierungstechniken, die in allen Stufen der Entwicklung enorm an Bedeutung gewinnen. Ständig hat man es mit Prototypen, Click-Dummies oder Wireframes bzw. Mockups zu tun, über die ganze Entwicklungs- und Planungsschritte übersprungen bzw. ersetzt werden können.

Agile Entwicklung in einer klassischen Organisationsstruktur

Wer heute innerhalb seiner Unternehmensorganisation und Unternehmenskultur agile Methoden und Strukturen bei der Produktentwicklung einführen möchte, muss mehr umstellen, als nur die IT-Abteilung. Auch reicht es nicht aus, sich für die Softwareentwicklung mit einer Agentur zusammenzutun, die die Arbeit vor Ort begleitet. Zwar gibt es insbesondere in der Softwareentwicklung Consulting Agenturen, die genau das versprechen, doch der Erfolg wird hier meist ausbleiben.

Digitale Produkte sind heute schon längst nicht mehr nur Sache der IT. Vielmehr gibt es Schnittstellen mit allen Bereichen des Unternehmens. Von der Forschungsabteilung, der Konstruktion bis hin zum Kundenservice, der Geschäftsleitung und sogar der Rechtsabteilung gibt es überall Überschneidungen, die bei der Entwicklung genutzt und aktiv mit eingebunden werden müssen. Dies ist aber nur mit kurzen und direkten Kommunikationswegen und einer gelebten agilen Organisationsstruktur über die gesamte Unternehmensorganisation hinweg möglich. Lange Wege, starre Pfade und zähe Entscheidungsprozesse verringern die Geschwindigkeit und lassen sich nicht mit agiler Entwicklung unter einen Hut bringen. Für die professionelle Webentwicklung im eigenen Unternehmen mag das noch funktionieren – sobald es an innovative und agile digitale Produktentwicklung geht, muss jedoch das gesamte Umfeld angepasst werden. Dies beginnt bei der Führungsetage, geht über die verschiedenen Abteilungen, Teams und Squads und endet beim Mindset jedes einzelnen Mitarbeiters.

Anpassung der Organisationsstruktur in der Praxis

Große Unternehmen mit einer seit vielen Jahren gewachsenen Organisationsstruktur können nicht von heute auf morgen komplette Strukturen ändern. Die Digitalisierung macht Umbrüche und Veränderungen zwar notwendig, diese müssen aber wachsen und an das Unternehmen angepasst sein.

Auf der anderen Seite gibt es bereits bestehende agile Produktentwicklungs-Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben. Diese in ein bestehendes System zu integrieren ist jedoch nur sehr schwer möglich, da es alle Bereiche der bestehenden Organisation betrifft. Entsprechend kann es hilfreich sein, den ersten Schritt der digitalen Transformation in einem Bereich zu vollziehen, der am unmittelbarsten davon betroffen ist – der digitalen Produktentwicklung. In der Praxis scheuen sich viele Unternehmen noch vor diesem Schritt und lagern komplette Bereiche komplett aus, sodass sie nicht mehr mit den anderen Bereichen des Unternehmens verknüpft sind. Diese Vorgehensweise ist jedoch sehr fraglich, denn ein bestehendes Problem wird dadurch nur nach hinten hinausgeschoben. Deutlich sinnvoller ist es, bestehendes Know-How agiler Softwareentwickler zu nutzen und direkt in die bestehende Unternehmensstruktur einzubauen. So etabliert sich im Laufe der Zeit eine neue Art der Organisation, die dazu beitragen kann, das gesamte Unternehmen flexibler, agiler und schneller zu machen. Dies wiederum schafft Wettbewerbsvorteile in verschiedenen Bereichen, weit über die Softwareentwicklung hinaus. Um dies bewerkstelligen und erreichen zu können, kann das agile Outsourcing digitaler Produktentwicklung ein sehr erstrebenswerter erster Schritt sein.

Outsourcing in der Praxis

Wenn man heute vom Outsourcing bei der App-Entwicklung oder Outsourcing der Softwareentwicklung im Allgemeinen spricht, versteht man darunter viel mehr als einfach nur externe Softwareentwickler, die Programmierarbeit erledigen. Es geht um flexibles Outsourcing, bei dem Auftraggeber und externe Entwickler so eng zusammenarbeiten, dass ein aktiver Austausch und ein Eintauchen in das Unternehmen möglich werden. Professionelle Softwareentwicklung ist heute viel mehr als das Programmieren allein. Es geht darum, eine individuelle Softwarelösung für einen bestimmten Bereich zu entwickeln, die genau an den Bedürfnissen der Kunden anknüpft und praxisrelevante Probleme löst. Hierzu ist die eine feste aber flexible Eingliederung des Entwicklungsteams notwendig, denn im Unternehmen gibt es zum digitalen Produkt mehrere Schnittstellen, die verschiedene Abteilungen und Bereiche betreffen.

Um dies erreichen zu können, kommen moderne Kommunikationsmethoden wie Chats, Konferenzen und Meetings zum Einsatz. Statt der plumpen Anforderungen ‚wir bräuchten da mal ‚ne App‘ geht es eher darum herauszufinden, wo es Ansatzpunkte für digitale Produkte gibt, die bestehende Produkte ergänzen, ersetzen oder erweitern. Es geht um den Fokus auf den Kunden, seine Probleme und mögliche Lösungen.

Wenn Sie die Produktentwicklung outsourcen, geben Sie keine Kompetenzen aus der Hand und es geht auch nicht darum, einen Bereich auszulagern, mit dem man nichts zu tun haben möchte. Vielmehr geht es darum, eine bestehende agile Struktur zu übernehmen, die für die Entwicklung digitaler Produkte unverzichtbar ist. Hiervon profitieren letztendlich auch die interne Organisation und die eigene IT-Abteilung, da Prozesse beschleunigt und gleichzeitig vereinfacht werden, um die direkte und enge Kommunikation gewährleisten zu können. Man könnte in diesem Zusammenhang von einem agilen Outsourcing sprechen.

Externe professionelle Softwareentwicklung

Für professionelle Softwarelösungen für Unternehmen gibt es eine Vielzahl von Anbietern. Hierbei muss man jedoch zwischen Agenturen bzw. IT-Firmen unterscheiden, die sich rein auf die Programmierarbeit beschränken und solchen Dienstleistern, die eine komplette agile Entwicklungskultur zur Optimierung der Produkte einsetzen.

Nur mit einer ausgiebigen Fehlerkultur, engem Kontakt zu Kunden und Unternehmen sowie direktem Feedback ist es möglich, den Anforderungen an eine agile Entwicklung gerecht zu werden.

Outsourcing agile Softwareentwicklung Vorteile / Nachteile

Generell hat Outsourcing im Unternehmen immer Vor- und Nachteile. Das Outsourcing digitaler Produktentwicklung ist hier keine Ausnahme. Über eine flexible und agile Herangehensweise lassen sich die Nachteile aber weitestgehend von vornherein abschwächen, sodass die Vorteile klar überwiegen und zu einem echten Mehrwert führen.

Vorteile:

  • ✓ Agile Organisationsstrukturen können übernommen werden
  • ✓ Schnellere Produktzyklen können erreicht werden
  • ✓ Bestehende Strukturen müssen nicht unmittelbar verändert werden
  • ✓ Eigene IT-Ressourcen werden geschont
  • ✓ Genauere Budgetplanung wird möglich
  • ✓ Neue Problemlösungs- und Denkansätze kommen zum Tragen
  • ✓ Rentabilitätssteigerung durch schnelle Ergebnisse und geringeres Risiko

Nachteile:

  • ✘ Endergebnis zu Beginn des Outsourcings oft unklar
  • ✘ Neue Anforderungen an Mitarbeiter
  • ✘ Soft Skills gewinnen an Bedeutung, die zuvor ggnf. Nicht überprüft wurden

Outsourcing-Szenarien

Neben den oben bereits aufgeführten Gründen für ein Outsourcing, kann es weitere gute Gründe geben, die Softwareentwicklung auszulagern und dennoch über agile Methoden eng mit dem Unternehmen verbunden zu halten. Im Folgenden haben wir einige Szenarien für Sie zusammengefasst, unter denen ein Outsourcing besonders sinnvoll sein kann.

Klassische Outsourcing-Szenarien

Klassisches Outsourcing – Quelle: Pixabay.com
  • Kapazitätsgrenze der eigenen IT erreichtWenn die eigene IT-Abteilung bzw. die eigenen Programmierer mit der Webentwicklung oder einer anderen Softwarelösung ohnehin überbelastet sind, kann es umso sinnvoller sein, externe Kräfte über ein gezieltes Outsourcing hinzuzugewinnen.
  • IT-Budgetplanung muss angepasst werdenOutsourcing kann dabei helfen, die Budgetplanung zu optimieren und vorhandene Budgets für die Softwareentwicklung gezielter und effizienter einsetzen zu können. Durch agile Produktentwicklung lassen sich bereits in frühen Entwicklungsstadien Umsätze generieren und die Kostenstruktur ist klarer definierbar.
  • Expertenmangel im EntwicklungsbereichWenn im eigenen Unternehmen Fachkräfte für bestimmte Bereiche fehlen und sich innerhalb Deutschlands nicht finden lassen, kann Outsourcing die Lösung sein. Wenn Sie beispielsweise in Berlin ansässig sind und auch Ihre Softwareentwicklung in Berlin behalten möchten, können intelligente Outsourcing-Lösungen helfen, mit internationalen Fachkräften zusammenzuarbeiten und dennoch ortsgebunden die Entwicklung im eigenen Unternehmen zu halten.
  • Mangelnde InfrastrukturHäufig stoßen Unternehmen im Rahmen der digitalen Produktentwicklung an ihre Grenzen im Bereich der Cloudspeicher und der Sicherungen. Wenn man projektbezogene Daten jedoch nicht auf ausländischen Servern speichern möchte, kann über Outsourcing ein Partner gewonnen werden, der die passende Infrastruktur und Technologie bereits mitbringt.

Die ideale Lösung für das eigene Unternehmen

Letztendlich ist wichtig zu verstehen, dass es keine allgemeingültige Empfehlung und Musterlösung für das Outsourcing von Softwareentwicklung gibt.

Vielmehr ist es insbesondere in Zeiten der digitalen Transformation von größter Bedeutung, das Outsourcing aktiv zu begleiten und eine Musterlösung zu schaffen, die ideal an die Bedürfnisse und die Struktur des eigenen Unternehmens angepasst ist. Das Outsourcing von bestimmten kleinen Teilbereichen wie der Betreuung der Webseite oder der Übergabefertigen App ist nicht die Musterlösung, wenn es um agile Produktentwicklung geht. Es muss das Ziel sein, durch das Outsourcing einen Mehrwert zu generieren, der nicht nur für den Moment einen Vorteil bringt, sondern das Unternehmen im digitalen Bereich auch mittel- und langfristig wettbewerbsfähig macht und nach vorne bringt. Bei einer idealen Outsourcing-Lösung müssen Sie sich nicht die Frage stellen, ob Sie eine Aufgabe Inhouse erledigen oder auslagern, sondern Sie können die Vorteile beider Herangehensweisen vereinen. So funktioniert agiles Outsourcing heute – Hand in Hand, nah am Kunden und nah an jedem Bereich des Unternehmens.

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